
Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen
Neugestaltung des Gedenkortes 'Station Z' und des Lagergeländes
Projektleitung Wettbewerb (1.Preis) und
Planungsprojektleitung 'Station Z' für
HG Merz I LPH 1-5
Von 1936 bis 1945 diente das KZ Sachsenhausen der Ausbildung der Kommandanten und des Führungspersonals aller nationalsozialistischen Konzentrationslager. In seiner Funktion als Musterlager diente es als Experimentierfeld für die 'Optimierung' des KZ-Systems. Außerhalb des Lagers errichtete die 'SS' die sogenannte 'Station Z', ein Krematorium, in dem sie Tötungsmethoden erprobte. Nach russischer Internierungslagernutzung war hier die 'Kasernierte Volkspolizei' der DDR als Vorgängerin der Nationalen Volksarmee stationiert. Sie sprengte die Baracken und die 'Station Z’.


1961 wurde das Gelände nach Plänen des Buchenwaldkollektivs zur Nationalen Mahn- und Gedenkstätte umgestaltet. Die Gestaltung sollte die Überwindung des Grauens manifestieren und den Sieg des Antifaschismus über den Faschismus inszenieren. Das mahnende Gedenken durch die Sichtbarmachung authentischer bauzeitlicher Elemente trat in den Hintergrund. Die Umgestaltung zum Landschaftspark überformte das Gelände, verzerrte die räumlichen Bezüge und erschwerte die Nachvollziehbarkeit des ursprünglichen Geschehens.


Der Gedenkort ‚Station Z’ hatte einen flüchtigen Raumcharakter, der der gewünschten Kontemplation entgegenstand, der Witterungsschutz für die Bodenrelikte des Krematoriums war nicht gewährleistet.
Das im Rahmen eines internationalen Realisierungswettbewerbs prämierte Gesamtkonzept für die Neugestaltung der Gedenkstätte will die Ablesbarkeit der bauzeitlichen Merkmale zugänglich und die Zeitschichten der Überformungen sichtbar machen.

Die Neugestaltung macht die ursprüngliche Trennung zwischen Lager und Krematorium ablesbar und schafft einen verdichteten, optisch beruhigten Raum des Gedenkens. Die dafür eingesetzten baulichen Mittel entziehen sich durch ihren Abstraktionsgrad soweit möglich einer architektonischen Zuordnung, konstruktiv-technische Elemente treten nicht mehr als notwendig in Erscheinung. Differenzierte Lichtverhältnisse im Inneren der Hülle unterstreichen das Spannungsverhältnis dieses Ortes als Mahn- und Gedenkstätte: Die transluzent überdachten Bodenrelikte liegen in gedämpftem Licht; vor einer Gedenkwand im hellen Zentrum befindet sich unter einem großflächigen Dachausschnitt eine Bodenplatte mit Gedenkwand für Gedenkveranstaltungen.



Das Schutzbauwerk berührt den historisch belasteten Boden nur minimal über punktuelle Auflager. Die geringe lichte Höhe über den Bodenfunden bedingt eine räumliche Verdichtung. Eine allseitige Membranverkleidung sorgt für einen hohen Abstraktionsgrad.
Die in der Gestaltung des Buchenwaldkollektivs mit einer Rasenfläche nivellierte Lagerfreifläche wird durch abgesenkte und an den Rändern befestigte Grauwackeflächen an den ehemaligen Barackenstandorten differenziert, um eine Zuordnung der bauzeitlichen Gebäudeanordnung in der Anlage zu ermöglichen. Im Eingangsbereich wird ein Besucherinformationszentrum neu gestaltet.




Auftraggeberin Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten vertr. durch den
Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)
130.000 m² I Baukosten 3,4 Mio €

